Warum Benjamin kein Basketballspieler ist und Uschi keine Raketenforscherin …

Weltweit stehen tagtäglich Eltern vor dem größten Problem: Welcher Name ist der richtige für mein Kind? Sicher wünscht sich der ein oder andere Vater, dass seine Tochter so schön wie eine Angelina wird, oder eine Mutter möchte, dass ihr Sohn vielleicht mal einen Nobelpreis bekommt und nennt ihn deshalb Albert. Dabei könnte sie allerdings vergessen, dass dieser Name zu Schulzeiten geradezu dazu auffordert, den besagten Albert in die Schultoilette zu stopfen …

Nun, wie dem auch sei, als Autor habe ich genau das gleiche Problem wie alle werdenden Eltern. Bis zu einem gewissen Grad fühle ich mich ja auch als Vater meiner Figuren. Daher muss der Name einer Figur absolut zu ihr passen. Ich möchte hier nicht die üblichen Klischee-Bilder eines Kevins oder einer Chantalle bemühen, aber wenn wir einen Namen hören oder lesen, haben wir automatisch sofort ein Bild vor Augen: Ein Wolfgang hat einen Bart, Maria ist katholisch, Benjamin eher kleinwüchsig, Gabi ist vermutlich Frisörin (vielleicht sogar Friseuse) und Pamela … nun, Du verstehst sicher, was ich meine.

Daher fange ich nur selten mit dem Namen an, wenn ich eine Figur ausarbeite. Der Autor Richard Norden hat in seinem Blog WritersWorkshop einmal empfohlen, man solle zuerst eine Rolle definieren und eine Art Casting durchführen, in dem man mehrere potentielle Figuren mit unterschiedlichen Eigenschaften in dieser Rolle prüft. Man führt also quasi Probe-Aufnahmen mit der individuellen Besetzung durch, lässt sie vielleicht sogar eine Szene der Geschichte durchleben, um zu sehen, wie sie individuell auf die Konflikte reagieren.

Kann man machen. Ist nur ziemlich aufwendig. Da ich ein enges Zeitfenster bei diesem Projekt habe, kann ich es mir diesmal leider nicht erlauben. Ich habe daher in dieser Woche einfach nur die Figur in ihren groben Zügen definiert und weiß nun, dass sie erfolgreich und zielorientiert ist, an Regeln und Vorschriften glaubt und ein kleiner Kontrollfreak ist. Sie ist gut in ihrem Beruf und hat gerade ein Projekt erfolgreich abgeschlossen, was ihr endlich die ersehnte Beförderung einbringen wird. Für so eine Frau brauche ich einen starken Namen, der Intelligenz ausstrahlt. Vielleicht (da bin ich noch nicht so ganz sicher) hat sie dies mit dem Beginn ihrer beruflichen Karriere auch selbst erkannt und verleugnet ihren Taufnamen zugunsten eines dynamischeren, selbstgewählten.

Bei der Suche nach einem geeigneten Namen bin ich auf den Begriff Onogramm gestoßen, der nichts anderes bedeutet, als dass zu einem Namen eine gewisse Assoziationsliste geführt wird. Nicht nur bei der Namenssuche für den Nachwuchs verzweifelnde Eltern, sondern ebenso verzweifelte Autoren finden hier eine Einschätzung, wie ein ausgewählter Name auf die Umwelt, respektive die Leserschaft wirken wird. Die unten in den Links erwähnte Seite bietet diese Funktion übrigens nicht nur für Vor-, sondern auch für bekannte Familien-, Orts- und Gewässernamen.
Als Besucher kann man seine eigenen Eindrücke zu einem Namen festhalten und so z.B. angeben, ob ein Name alt oder jung wirkt, modisch oder antiquiert, vertraut oder fremd. Interessant ist aber, dass die Einschätzung der Schwarmintelligenz festgehalten wird und man so sehen kann, welche Assoziationen ein Name weckt. Hätten Sie z.B. gedacht, dass eine Elfriede eher unsportlich und religiös, aber auch forsch und gesellig bei mittlerer Intelligenz eingeschätzt wird? Oder dass Oskar eher reich und sympathisch bei durchschnittlicher Attraktivität und tendentiell erhöhter Intelligenz wirkt?

Natürlich kann man mit genau diesen Erwartungen wieder einmal spielen. Wird beispielsweise mit einem Namen eine gewisse Eigenschaft vorrangig assoziiert, kann man genau das natürlich auch ändern. Allerdings wie immer mit Vorsicht, denn wenn der jüngste Gewinner eines harten Marathonlaufs beispielsweise Hartmut, Ehrenfried, Albert oder Eckart heißt, wirkt das möglicherweise eher wie eine Karrikatur.

Meine Heldin wird sich jedenfalls erst einmal Ina nennen. Der Name klingt laut dem Onogramm sehr vertraut, modisch, wohlklingend, sehr weiblich und eher jung. Eine Frau mit diesem Namen wirkt sympathisch, eher sportlich und forsch, gesellig, attraktiv und intelligent und hat eine gewisse Veranlagung zum Reichtum. Alles Eigenschaften, die ein Außenstehender auf den ersten Blick an meiner Heldin wahrnehmen könnte. Dass sich noch mehr hinter ihr verbirgt, dürfte natürlich klar sein. Doch dazu schreibe ich (vielleicht) ein anderes Mal …

Wie findet ihr Name für eure Figuren? Benutzt ihr sprechende Namen oder wählt ihr lieber aus den Listen der beliebtesten Namen des Geburtsjahres eurer Figur aus? Oder macht ihr euch gar nicht so viel Mühe mit der Namensgebung? Benutzt ihr einen Namensgenerator wie z.B. in Scrivener? Ihr dürft wie immer gerne kommentieren.

Und wie immer: Nutzt eure Schreibzeit!

 

Links:

blog.richardnorden.de/casting-fur-ihren-roman

http://www.onomastik.com/

www.beliebte-vornamen.de

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